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Programme 2010

Jan. 19 2010, HS

Programm 1

O Speculum Columbe - Musik von und über Hildegard von Bingen

Musik war für die mittelalterliche Mystikerin Hildegard von Bingen (* um 1098; †1179) außerordentlich wichtig. Der Klang der Gregorianik war für sie das Mittel, die ursprüngliche Freude und die Schönheit des Paradieses wiederzuerlangen: nach ihrer Vorstellung hatte Adam vor dem Sündenfall eine reine Stimme und sang mit den Engeln, um Gott zu preisen.

Immer basierend auf der Originalvorlage, loten die Musiker von Ensemble Transfer den Klangreichtum der Lieder Hildegards aus. Der Schwerpunkt liegt dabei auf einer gesanglichen Auffächerung, die unter dem Einsatz diverser Vokaltechniken, wie z.B. Obertongesang, rhythmischen Verschiebungen oder aus dem Raum heraus entstehenden Echoeffekten die einzigartige Verschmelzung zwischen hochpoetischem Text und expressivem musikalischen Gestus dieser Musik akzentuiert.

Improvisierte Musikstücke über das Messordinarium bilden den Rahmen des Programms, die Werke von Hildegard von Bingen werden quasi als Proprium in eine imaginäre Messe eingebunden [zum Programm



Programm 2

Gregorianik PLUS

Als Gast Brnčić Ensemble(Streichquartett). Das Programm des Abendkonzerts bringt Sequenzen und Responsorien von Hilde-gard von Bingen und von Adam von Saint-Victors. Letztere werden weitgehend ‚stil-rein’ von den Schola interpretiert. Die Werke Hildegards sind dagegen in Adaptionen zu hören: mit elektronischen Klängen vorsichtig unterlegt und stellenweise polyphon ausgestaltet.

Gleichzeitig nimmt die Programmwahl direkten Bezug auf den Aufführungsort: die Texte der Werke beziehen sich auf die Apostel. Beginnend mit der Anrufung des Heiligen Geistes als Quelle des apostolischen Auftrags werden Petrus, Paulus und Johannes angerufen, ehe der Abend mit einer Sequenz an alle Apostel und schlussendlich der gemeinsamen Anrufung des himmlischen Königs schließt.

Eine echte Entdeckung für die Zuhörer ist dabei das Werk Adam de Saint-Victors, dem mit drei Sequenzen ein ebenbürtiger Platz neben seiner Zeitgenossin Hildegard von Bingen eingeräumt wird. Sie zeigen den Pariser Mönch als einen Komponisten und Dichter, der in reiner, klarer, frei bewegter Sprache und in mühelosen Reimen religiöse Themen in charakteristische Kunstwerke formt. [zum Programm